Ortschaft Biederitz
Gemeinde Biederitz
Ortsbürgermeister Herr Carsten Schneider
Magdeburger Straße 38
39175 Biederitz
Informationen zur Ortschaft Biederitz
Biederitz, ein beliebter Wohnort
Biederitz liegt nur wenige Kilometer von Magdeburgs östlicher Stadtgrenze entfernt - nahe der Elbe, den ehemaligen russischen Kasernen und der Kreisstadt Burg. Erstmalig wird im Jahre 938 eine Siedlung „Bidrizi“ im Zehntverzeichnis des Magdeburger Moritzklosters erwähnt. Dieses Verzeichnis geht zurück auf eine Schenkungsurkunde von Otto I. 300 Jahre später taucht in den Urkunden die Schreibweise „Bederitze“ auf. Aus ihr entwickelte sich dann die Bezeichnung Biederitz, die bis heute gültig ist. Der Dorfname geht wahrscheinlich auf das slawische Wort „bedro“ zurück. Es bedeutet Schenkel, Lende oder Hüfte.
Biederitz blickt auf eine wechselvolle Geschichte: 1631 zerstörten Tillys Truppen beim Sturm auf Magdeburg auch das kleine Dorf an der Elbe, ermordeten viele Einwohner. Nur 24 Jahre später – nachdem sich Biederitz wieder einigermaßen entwickelte hatte – überschwemmte eine große Flut den gequälten Ort. Aber auch vom Feuer blieb das Dorf nicht verschont: 1846 und 1856 zerstörten Flammen große Teile der Ortschaft.
Viele Jahrhunderte lebten die Biederitzer von der Landwirtschaft. Das änderte sich mit dem Bau moderner Verkehrswege. Ganz wesentlich zum Strukturwandel trug die Bahn bei: 1873 wurde die erste durch Biederitz führende Verbindung von Magdeburg nach Potsdam in Betrieb genommen. Entlang der Bahn siedelten sich Industriebetriebe, darunter vier Ziegeleien, an. Später folgte auch ein Kalksandsteinwerk. Doch das war nicht alles: Dank der Lage zu Magdeburg, der wunderschönen Natur und der günstigen Verbindungen zogen zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele wohlhabende Magdeburger, die sich herrliche Villen errichteten, nach Biederitz.
Infotafeln auf der Kantorwiese
Wir haben hier einige Infotafeln, die sich derzeit bzw. künftig auf der Kantorwiese befinden, aufgeführt. Tauchen Sie ein, in die letzten Jahrhunderte von Biederitz.
Infotafeln Geschichte
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Biederitz ist wahrscheinlich älter als angenommen. Bei Ausgrabungen 2019 fanden Archäologen im Zentrum von Biederitz (dort, wo heute ein modernes Wohnhaus Ecke Breite Str. / Bahnhofstraße steht) die Grundmauern eines karolingischen Kastells aus dem 8./9. Jahrhundert, Keramikteile, Reste eines Grubenhauses und ein Pferdeskelett.
Die Altsachsen, die an der Reichsgrenze zwischen Karolingerreich und den Slawen auf ostelbischer Seite ( also auch bei uns) lebten, mussten sich im Jahre 806 Karl dem Großen ( 742 - 814 n.Chr. ) unterwerfen, meint Dr. D. Wehner vom Referat der Abteilung Bodendenkmalpflege des Landes Sachsen-Anhalt. Ob das Pferdeskelett auf einen Kult hinweist oder ob es einen Zusammenhang mit einem Überfall auf das ostelbische, karolingische Kastell steht, werden die Wissenschaftler noch herausfinden. Vielleicht hat ein Reiter auch nur sein geliebtes Pferd bestattet?
938 wird eine Siedlung im Abgabenverzeichnis des Moritzklosters von Magdeburg erwähnt. In einer amtlichen Urkunde wird der Ort aber erst am 1.10.948 genannt.
Die Reste einer noch älteren bewohnten Siedlung, deren Existenz zwischen 1100 und 700 v.Chr. (Bronze- oder Eisenzeit) datiert wird, fanden Archäologen, als 2012 der Deich in Biederitz Richtung Potztrine erneuert und ausgebessert wurde. Hier fand man in der Mitte eine Tonstatuette (ca. 17 cm hoch, kopflos), die möglicherweise einem religiösen Kult zuzuordnen ist. In der Wissenschaft wird sie die „Prinzessin von Biederitz" genannt.
Biederitz wurde immer von Ackerbauern, Fischern, Waldarbeitern, Imkern und Handwerkern bewohnt Sie schufen den Reichtum des Ortes. Nach häufigen Zerstörungen des Dorfes bauten die fleißigen Bürger ihren Ort ständig wieder auf. Biederitz war durch die Bauernaufstände und des Bauernkrieges 1525/26 nicht betroffen.
Im Zuge der Zerstörung Magdeburgs 1631 durch Tilly's Truppen, die ihre Kanonen im Biederitzer Busch in Stellung gebracht hatten ( zwischen Straße zum Herrenkrug und Eisenbahnlinie ), wurde das Dorf zerstört Zur Lage des Ortes schrieb der Magdeburger Möllenvogt Struven elf Jahre nach der Zerstörung:
,,Und weil dieses Dorf an der Heerstraße nach Borg, hat es viel anlauffens, und sind die Gebäude zum Teil von den Soldaten eingeäschert, zum Theil von Ihnen selber eingegangen, inmaßen solch Dorffetzliche Jahre ledig gestanden, und haben etzliche vor 3 Jahren angefangen ein wenig wieder uff- und anzubauen, wozu Ihnen vom Möllenvogt vorschub geschehen. Hat drey Einfahrten gahabt als 1. Bei der Pfarre; 2. Bei der Schmiede und 3. Bey dem Hirten hause an der See. Ist mit einem Zaun bewirtet gewesen, den ein Jeder, soweit sein Gehöfe gangen, halten müßen." (Zitat: Biederitz - Die Cronik, 1998, S. 20)
Die Einwohnerzahl von Biederitz erholte sich. Gab es 1782 nur 365 Einwohner, so lebten 160 Jahre später schon 684. Einige Namen tauchen in Archiven und der Chronik immer wieder auf: lllies, Borg, Ferchland, Neteband und Hesse.
Infotafeln Biederitzer Schulen
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Das Schulsystem hat sich seit 1900 sehr verändert
Diese Überschrift versetzt wohl niemanden in Erstaunen, denn die Veränderungen erkennt jeder ehemaliger Schüler. Und das waren wir alle. Hier ein kleiner Vergleich :
Um 1900: Es gab viele Unterschiede zwischen den Regionen. Ebenso zwischen Stadt und Land.
Jungen und Mädchen wurden getrennt unterrichtet. Die Klassenstärke betrug 40 - 50 Kinder. Viele arme Kinder fehlten oft in der Schule, weil sie zu Hause, auf dem Feld oder in der Fabrik arbeiten mussten, um die Familie zu unterstützen. Bis zur 8. Klasse war der Unterricht kostenlos. Mittellose Familien konnten ihre Kinder nicht studieren lassen. Die Kinder schrieben in Sütterlinschrift ( ab 1941 setzte sich die Normalschrift durch) mit kleinen Kreidegriffeln auf Schiefertafeln, an denen ein Schwämmchen hing. Manche schrieben auch mit einem Federkiel und tauchten ihn in ein Tintenfass, das der Lehrer nachzufüllen hatte.
Beim Antworten mussten die Kinder aufstehen. Wer störte musste auf einer „Eselsbank" sitzen, in der Ecke stehen oder bekam den Rohrstock zu spüren. Unterrichtet wurde z. B. in Religion, Rechnen, Schreiben, Lesen, Singen, Handarbeit und Turnen. In den Klassenräumen stand ein Kachelofen, damit im Winter geheizt werden konnte. Gab es aber kein Holz oder Kohlen mussten die Kinder frieren. Der Schulweg wurde immer zu Fuß zurückgelegt.
1960: Die DDR-Regierung erließ 1959 ein neues Schulgesetz, das die Schulpflicht bis zur 10. Klasse festschrieb.
Mädchen und Jungen wurden gemeinsam unterrichtet, zunehmend jahrgangsgetrennt. Die Klassenräume waren aber immer noch sehr eng, denn 30 - 40 Schüler mussten darin Platz finden. Sie benutzten Hefte, Füllfederhalter und ein Lehrbuch. Arbeitshefte wie wir sie heute kennen, gab es nicht. Unterrichtet wurde in den Fächern Ma, Deu, Ru, En, Sp, Bio, Ge, Erdkunde, Phy, Ch, Musik, Werken, Nadelarbeit. Beim Antworten mussten die Schüler aufstehen. Ein „Unterrichtstag in der Produktion" (UTP, später „Produktive Arbeit" -PA) untermauerte den Begriff „Polytechnik". Auch samstags war Unterricht. Der Erziehungsauftrag bestand darin, die Kinder in den POS (Polytechnische Oberschule) zu sozialistischen Persönlichkeiten zu formen. Für weiter entfernt wohnende Kinder gab es in manchen Regionen schon Schulbusse oder man nutzte öffentliche Verkehrsmittel.
Nach 2 Monaten Schulferien, begann das neue Schuljahr immer am 1.September, dem Weltfriedenstag, mit einem großen Fahnenappell.
1968 konnte in Biederitz die neue (unsere heutige Grundschule) feierlich eingeweiht werden. In einem langen Festumzug, die Fahnenträger voran, zogen Schüler, Lehrer, Eltern und viele Dorfbewohner von der alten Schule (heutiges Dorfgemeinschaftshaus) durch die Bahnhofsstraße zur neuen Schule, die den Namen „Martin Schwantes" (genau wie die alte Schule seit 1948) tragen sollte. Den Schlüssel nahm der Direktor Herr Schimschar entgegen.
Am Bau hatten sich neben den Bauarbeitern auch sehr viele Freiwillige, wie Jugendliche oder Eltern, beteiligt. Die Schlüsselübergabe und die Überreichung des Lebenslaufes vom Namensgeber erfolgte fe_ierlich auf dem Schulhof. Die Schüler konnten jetzt in großen, hellen Räumen und in Fachkabinetten lernen. Der Sportunterricht fand anfangs noch in der heutigen Mehrzweckhalle statt.
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Appell auf dem alten Schulhof
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Umzug
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Schlüssel
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Pioniere auf der Treppe
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neuer Unterrichtsraum
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AG mit Gemeindeschwester
Die Biederitzer Gemeindeschwester Herta leitete zeitweise die AG „Junge Sanitäter".
In der POS gab es im Keller ein Traditionskabinett, aufgebaut von Herrn Alfons Scholz, Geschichtslehrer an der Schule. In diesem kleinen Museum hatte er viele Erinnerungsstücke aus der jüngeren Vergangenheit des Ortes, aber auch Freundschaftsgeschenke von Patenbrigaden oder -betrieben gesammelt und ausgestellt.
Seit 1968 leiteten folgende Direktoren bzw. Schulleiter die Schule:
| 1968 - 1976 | Gerhard Schimschar |
| 1976 - Jan.1987 | Gerhard Skowronnek |
| Feb 1987 - Juli 1987 | Ernst Rotte |
| Aug 1987 - Juli 1991 | Elke Nagel |
| Aug 1991 - Juli 1993 | Jürgen Scholz (Sekundarschule) |
| Aug 1991 - Juli 1993 | Antje Gellert (Grundschule) |
| 1993 - 1995 | Außenstelle Gymnasium Gommern |
| 1995 - ....... | Holger Arnold |
(Die Zusammenstellung erfolgte durch Herrn Holger Arnold .)
Infotafeln Widerstand gegen das Naziregime
In Biederitz existierte in den 30er Jahren des 20. Jhd.s eine illegale Widerstandsgruppe, bestehend aus 6 Mitgliedern:
Paul Barsdorf, Willi Obermüller, Ella Obermüller, Arno Brodmann, Rosa Jänsch und Frau Hartmann.
Der Biederitzer Geschichtslehrer Alfons Scholz hat in den 70er/80er Jahren mit seiner AG „Junge Historiker" dazu geforscht. Hier die zusammengefassten Ergebnisse!
Arno Brodmann, geb. 1905, zog 1934 von Magdeburg nach Biederitz, lernte den arbeitslosen, der SPD angehörenden Willi Obermüller kennen und übernahm den Auftrag, Pakete der „Roten Hilfe" zu verteilen. Da er Verbindungen zur CSR hatte und Flugblätter verteilte, wurde er verhaftet. Erst 1 ½ Jahre Untersuchungshaft, anschließend 21 Monate Gefängnis. Danach arbeitete er auf dem Bau, aber nicht an staatlichen Gebäuden. Der Führerschein wurde ihm versagt.
Ella Obermüller, geb. Brodmann, 1909, unterstützte Ihren Mann Willi Obermüller beim Verteilen von illegalen Briefen und Paketen. 1935 wurden sie verraten, kam 11/2 Jahre in Untersuchungshaft und anschließend 3 Jahre wegen Hochverrats ins Gefängnis.
Willi Obermüller, geb. 1907 trat schon mit 18 Jahren der KPD bei. Er leitete die illegale Widerstandsgruppe in Biederitz und hatte Verbindungen nach Leipzig, Braunschweig und in die CSR, wohin einige Parteigenossen geflohen waren. Willi Obermüller wurde verraten und verhaftet. Laut Untersuchungsrichter ist er freiwillig aus dem Leben geschieden. Er soll sich erhängt haben. Nach ihm wurde eine Straße in Biederitz benannt.
Auch Paul Borsdorf wurde wegen seiner illegalen Tätigkeit inhaftiert.
Wilhelm Gries, 1900 geboren, trat mit 24 Jahren der KPD bei. Befreundet war er mit den Kommunisten Matthias Theesen und Ernst Schneller. 1920 versuchte er mit Genossen gegen den Kapp-Putsch, organisiert durch reaktionäre Kräfte, vorzugehen und 1923 beteiligte er sich aktiv am Hamburger Aufstand der KPD. Auch gegen die Massenentlassungen im Ruhrgebiet kämpfte er an der Seite vieler Arbeiter. Auf Grund seiner Aktivitäten wurde W. Gries mehrmals inhaftiert. 1935 verschleppte man Ihn ins KZ Zwischenlager „Bürger Moor". Später wurde er ins KZ Sachsenhausen überstellt, wo er sich für die Arbeit als Maurer und Pfleger einen Helfer „aussuchen" durfte. Herr Gries wählte einen Franzosen, dem er dadurch den Gastod ersparte. Nach dem II.Weltkrieg kann der Franzose die Adresse von Wilhelm Gries ausmachen und bedankt sich auf diesem Wege noch einmal für die Lebensrettung.
Wie tausende andere KZ-Häftlinge wurde auch Herr Gries auf den sogenannten Todesmarsch geschickt. Es gelang ihm in die mecklenburgischen Wälder zu fliehen und so dem Tod zu entrinnen. Über Umwege und mit Hilfe seines Bruders in Wittenberge und anderer Antifaschisten gelang es ihm, seinen kommunistischen Idealen im Raum Magdeburg weiter zu folgen. Biederitz wurde seine politische Heimat. Von 1950 - 1955 war Wilhem Gries der Bürgermeister unserer Gemeinde.
Infotafeln Kirchen
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Unsere evangelische Kirche in Biederitz
In Biederitz gibt es zwei Kirchen . Das eine Gotteshaus an der Kantorwiese fällt jedem Besucher sofort auf. Die katholische Kirche befindet sich in der „Breiten Straße", fast nicht als solche erkennbar, direkt in der Kurve.
Bis zur Einführung der Reformation im 16. Jahrhundert gab es in Biederitz nur eine Kirche - die an der Kantorwiese. Die Bürger gehörten der katholischen Konfession an.
Im Jahre 948 wird der Ort erstmalig erwähnt. Eine Kapelle gehörte laut Kirchenchronik auch schon zu dieser Siedlung. Die heilige Stätte wurde unter anderem auch als Wehrkirche gegen feindliche Übergriffe genutzt. Im Streit um ihre Rechte zogen bewaffnete Magdeburger Bürgern 1238 gegen ihren Erzbischof Wilbrand (1235 - 1253) und töteten dabei auch den Probst Albrecht. Diese Kämpfe hatten Folgen für Biederitz. Das Dorf wurde auch zerstört.
In der „Magdeburger Schöppenchronik" kann man nachlesen, dass wahrscheinlich der Halberstädter Bischof die Schlichterrolle übernahm. Nachdem viel Geld geflossen war, wurde der Streit beigelegt. Die Biederitzer erhielten nichts von dem Geld. Fleißige Handwerker bauten ihre Kirche - teilweise im romanischen Stil- wieder auf. 1260 wird urkundlich erwähnt, dass Biederitz eine )ukrative Pfarrstelle" darstellt und nur an Angehörige des Magdeburger Domkapitels vergeben wird.
Als der Herzog von Mecklenburg und die Prignitzer, beides Verbündete von Kaiser Karl IV., 1378 gegen den Magdeburger Erzbischof zogen, wurden Kirche und Dorf wieder zerstört.
Martin Luther (1483 - 1546) hatte am 31.10.1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt und zum Streitgespräch über die Auslegung der Bibel aufgerufen. Da mit setzte er die Bewegung der Reformation der katholischen Kirche in Gang.
Aus Luthers Thesen:
21. Deshalb irren jene Ablassprediger, die sagen, dass durch die Ablässe des Papstes der Mensch von jeder Strafe frei und los werde ...
36. Jeder Christ, der wirkl ich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne Ablassbrief.
Außerdem sollte in der deutschen Sprache gepred igt werden und nicht mehr lateinisch, was kein Bauer verstand.
Um 1550 greifen die neuen Lehren auch in Biederitz. In der Kirchenchronik von Biederitz ist zu lesen, dass der erste evangelische Pfarrer Marcus Schneider war.
Im 30jährigen Krieg (1618 - 1648) wurde den Biederitzern und ihrem Dorf durch die Truppen Tilly's, die Magdeburg belagerten, viel Leid zugefügt. Brandschatzungen, Morde und Zerstörungen waren an der Tagesordnung. Selbst der Pfarrer Kittelius musste nach Pritzwalk fliehen. Finanzen für den Wiederaufbau des Ortes und der Kirche waren nicht vorhanden. Notdürftig und mit vielen Improvisationen errichteten Bauleute Stück für Stück Teile der Kirche. Das Dach wurde beispielsweise mit Stroh gedeckt.
1730 entschloss man sich zu einem Kirchenneubau. Aus dem Vorgängerbau wurden aus finanziellen Gründen der Altar und das Gestühl übernommen.
Eine erneute Umgestaltung erhielt das Kirchengebäude 1814 unter Superintendent Messow. Er war es auch, der einen neuen Friedhof außerhalb des Ortes anlegen ließ. Er befindet sich immer noch an derselben Stelle.
Zum 200jährigen Jubiläum 1930 gab es eine umfassende Neugestaltung des Kircheninnenraumes. Weitere Veränderungen wurden um 1960 vorgenommen. Im Kirchturm hängen 2 Glocken : eine von 1852 aus einem Bronzeguss und eine von 1949 aus einem Eisenguss. Zu allen wichtigen Ereignissen (ob geistlich oder weltlich) werden sie geläutet.
Heute umfasst der Pfarrbereich der evangelischen Kirche zu Biederitz 9 Dörfer:
Biederitz, Woltersdorf, Königsborn, Menz, Gübs, Nedlitz, Gerwisch, Wahlitz und Heyrothsberge.
Zu den Aufgaben der Pfarrgemeinde gehört die Arbeit mit den jugendlichen Gemeindemitgliedern, der Seniorentreff, die Zusammenarbeit mit dem Gemeindekirchenrat und die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Biederitz, für alle sichtbar zum jährlichen Ehlefest. Es gibt 3 Chöre im Kirchspiel Biederitz:
- Biederitzer Kantorei
- Kammerchor der Biederitzer Kantorei
- Kinderchor der Biederitzer Kantorei
- Lobpreischor!
Die Pfarrer in der Gemeinde seit 1549:
| 1549 - 1567 | Marcus Schneider | 1826 -1831 | Gottfried Machus |
| 1567 - ....... | Johannes Cygnorus | 1831 - 1857 | Eduard Pilarik |
| ........ - 1613 | Joachim Kranich | 1857 - 1872 | Chr. Fr. August Simon |
| 1613 - 1637 | Christian Kittelius | 1873 -1898 | Ernst Bernhard Goerne |
| 1637 - 1642 | Justus Leporinus | 1898 -1923 | Ernst Belitz |
| 1642 -1660 | Jeremias Daniel | 1924 -1938 | Johannes Jentzsch |
| 1660 -1674 | Johannes Leonhard Lobhauer | 1938 -1953 | Dr. Dr. Siegfried Scharfe |
| 1674 -1695 | Joh. Eustachius Möller | 1953 - 1977 | Erich Gustav Nagelski |
| 1695 -1729 | Simon Tympe | 1977 - 1998 | in Menz Schlegelmilch |
| 1729 - 1762 | Simon Benedictus Tympe | 1998 - 2021 | Johannes Henke |
| 1762 - 1793 | Melchior Conrad Höfchen | 2022 - ........ | Frau Henrike Kant |
| 1794 - 1825 | Carl Leberecht Messow |
Infotafeln Muttereiche
Otto v. Bismarck war kein Freund der aufstrebenden Arbeiterbewegung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ständig suchte er nach Möglichkeiten die junge Partei SPAP (Sozialdemokratische Deutsche Arbeiterpartei, gegr. 1875) zu verbieten. Als 1878 auf den deutschen Kaiser ein Attentat verübt wurde, schrieb er dieses einem Sozialdemokraten zu und hatte damit einen Grund, die Partei zu verbieten.Die Arbeiter ließen sich nicht unterkriegen. Sie trafen sich heimlich, um Versammlungen abzuhalten und tarnten ihre Treffen als Tanz- oder Picknickveranstaltungen, ,,Raucherclub" , Lotterieclub" oder „Kegelclub". Die Berliner z.B. erfanden den Begriff „JWD" (janz weit draußen) und damit wussten die Mitglieder der Sozialdemokratie, dass es ein nächstes Treffen geben wird. Hier konnte die „Rote Feldpost" (die Zeitung der Partei) verteilt oder vorgelesen werden. Bekannte Magdeburger Sozialdemokraten traten hier als Redner auf: Julius Bremer, Wilhelm Klees, Johann Jacobi u.a.
„Die Biederitzer „Muttereiche" war auch ein solcher Treffpunkt. Sie stand an der Grenze zwischen Magdeburg und Biederitz am Rande des Biederitzer Busches direkt neben der Eisenbahnlinie und soll sehr alt gewesen sein (800 andere sagen 400 Jahre alt).
Der heimliche Treffpunkt war gut gewählt, denn wenn Gendarmen aus Magdeburg die Versammlung auflösen wollten, gingen die Teilnehmer einfach über den Deich auf die Seite des Jerichower Landes, wo die Polizeigewalt nicht galt. Das konnte man andersherum natürlich genauso machen.
Diese Eiche, die von mehreren Kindern kaum umspannt werden konnte, musste 1925 gefällt werden. Sie war vom Blitzschlag beschädigt und drohte auf den Bahnkörper zu stürzen.
1946 vereinigten sich die Sozialdemokratische und die Kommunistische Partei zur SED. Um an die Geschichte der Arbeiterbewegung an diesem Ort zu erinnern, stellte man einen Gedenkstein mit einer Inschrift auf:
Hier stand die Muttereiche,
Treffpunkt der Kämpfer gegen Militarismus
und Faschismus, für Frieden und Sozialismus.
Jugend, denke daran und ehre diese Stätte.
Der große Stein steht heute noch an der Stelle, umringt von Laubbäumen, natürlich auch Eichen. Darauf ist eine Tafel angebracht, auf der in einem Auszug aus dem Reichsgesetzblatt vom 22.10.1878 über das Verbot der SDAP zu lesen ist.
Infotafeln Gaststätten
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Infotafeln Strandbäder
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Quellenverzeichnis
- Biederitz, Die Chronik, 1998 ( Sekundärquellen in der Chronik hinterlegt )
- Fotobroschüre 1070 Jahre Biederitz, 2018, Melanie Schwitzer
- Kirchenchronik, Biederitz, geschrieben v. Pfarrer Jentsch (1924-1938 Pfarrer in Biederitz), o.A. zum Entstehungsjahr
- „Baugeschichte unseres Kirchturms“, Biederitzer Chronik, Christian Scholl, 1998
- Gemeindeblatt Biederitz, Oktober 1019
- Zeitreise3, Lehrbuch Geschichte, Klett-Verlag 2006
- www.nailizakon.com/b/15-st/biederitz/biederitz.htm
- Fotoausstellung zum 50. Jahrestag des Bestehens der neuen Schule in Biederitz
Weitere Informationen zu den Infotafeln
Sprechzeiten des Ortsbürgermeisters
Nur nach vorheriger Terminabsprache.